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klauskonjetzky.over-blog.com

Notizen aus dem Landesinneren 4

 

 

Nymphenburger Park

 

Noch immer geht der König mit seinem Hund im Park spazieren. König ist er nicht mehr, der Herzog Franz, die „Königliche Hoheit“. Aber bei seinem 80. Geburtstag in Schloss Schleißheim war es dann doch so, als wäre er noch König. Der Ministerpräsident und all die anderen aus Politik und Wirtschaft und die Kirche und die Vereine und die Blasmusiken und die Abordnungen und die Bürger, die sich ein Selfi mit dem “König“ in die Vitrine stellen, huldigten ihm. In Schloss Nymphenburg sei Ludwig II. auf die Welt gekommen, sagt der Reiseleiter und schaut vielsagend. In großen Rudeln trippeln Asiatinnen. Schreiende Kinder, die von ihren schönen italienischen Müttern laut erzogen werden. Läufer, schwer atmende, schweigende und leichtfüßige, sich im Laufen unterhaltende. Das schwingende Surren und Geschnatter der Gänse ist zu hören, bevor sie zu sehen sind. Sie kommen aus der untergehenden Sonne und fliegen über das Schloss. Auf dem Weg vom Schlosseingang bis vor zur Brücke, vorbei an den dicht besetzten Bänken mit den Alten unter den Kastanien: manchmal bin ich einer von ihnen, manchmal ein angeschauter Fremder, heimisch erst wieder beim Käsekuchen im Palmencafé.

Das Geräusch der Fontäne, die aus dem künstlichen Felsenberg inmitten des großen kreisrunden Brunnenbeckens aufsteigt, ist ein mehrstimmiges Gespräch. Aber ich verstehe es nicht.

Seit einiger Zeit fährt auf dem Kanal im Schlosspark eine Gondel mit einem richtigen venezianischen Gondoliere. Jedenfalls trägt er einen runden, flachen Strohhut und hat eine Schärpe, oder so etwas, um den Hosenbund.

Auf Gemälden aus der Königszeit sind Gondeln, Barken und kleine Schiffchen auf den verschiedenen Nymphenburger Gewässern zu sehen. Fotografisch ist die Gondel ein Gewinn.

Manchmal fährt ein Fahrrad durch den Park, obwohl das ausdrücklich verboten ist. Selbst Fahrrad schieben ist nicht erlaubt. Und manchmal läuft ein Hund frei herum, obwohl er an die Leine müsste, weil es in den Wäldchen des Parks Rehe und Hasen und anderes Wild gibt. Immer wieder einmal, so ist zu hören, wird ein Tier von so einem Hund gehetzt und gerissen.

Aus der Ferne, von dort wo die Sonne untergeht, ist ein vorbeifahrender Zug zu hören.

 

 

 

 

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