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klauskonjetzky.over-blog.com

Notizen aus dem Landesinneren 5

 

Das Buchheim-Museum in Bernried

Allein die Lage. Der See, die Alpen. Das Grün der Expressionisten.

Es ist ja nicht so, dass man ins Atelier kommt und sagt: „Das ist ein schönes Bild, das möchte ich kaufen. Was kostet es?“

Nein, so ist es nicht, sagt der Sammler zum Erwerb seines letzten Schmidt-Rottluff-Bildes. Der Künstler habe wirklich lange gezögert. Eigentlich wollte er sich nicht von dem Bild trennen. Seine Frau, der das Bild gewidmet war, auch nicht. Aber dann hat es der Sammler doch bekommen. Alle danken ihm, auch die junge Gynäkologin, oder was sie war, die neue Wissenschafts-Kunstministerin, oder was sie ist.

Der Sammler hat später den Verdienstorden bekommen, seine Frau auch, und stellt seine Sammlung dem Buchheim-Museum zur Verfügung. Vielen Dank.

Schmidt-Rottluff, „der große Schweiger“ war „ein Monumentalist“.

Ob sie vielleicht „Minimalist“ meine. „Nein, das vielleicht auch. Aber sie habe schon „Monumentalist“ gesagt und gemeint.

Draußen gibt es Wein. Die Tabletts mit Häppchen kommen erst nach den Reden. Ich bedauere das.

Buchheim war ein besessener Sammler. Sammler seien potentiell kriminell. Die Umstehenden lachen. Wie sie es nur gemacht haben, die Sammler. Sie müssen einen Riecher gehabt haben, als sie bei den Expressionisten eingekauft haben. 

Und Geld. Auch wenn die Bilder damals noch nicht viel gekostet haben. Später standen sie dann mit ihren Sammlungen da.

Jemand, der wegen seiner langen Haare aussieht wie ein Künstler, erzählt am Buffet, dass eine Tante von ihm, eigentlich eine Ur-Großtante, bei Lovis Corinth geputzt habe. Und einmal wollte der der Frau, statt des vereinbarten Stundenlohns ein kleines Bild geben. Und die Dumme hat es nicht genommen, sondern wollte lieber ein paar Mark.

Dank der Zusammenlegung der Sammlung Buchheim und der Sammlung Gerlinger können aus der Zeit von 1899 bis 1974 über 220 Werke von Schmidt-Rottluff gezeigt werden.

Aus wie vielen Jahren sie hier im Buchheim-Museum Werke von

Schmidt-Rottluff zeigen, fragt der Direktor. Wer die richtige Antwort

gibt, erhält den Rottluff-Katalog.

78 ruft jemand. 74 sagt eine Frau. 75 weiß einer. „Fünfundsiebzig ist richtig! Gratuliere“, sagt der Direktor und überreicht den Katalog. Das habe sie auch gesagt, sagt eine Frau. Aber es ist nur ein Katalog da. Pech.

Der ehemalige Kultusminister, der die Neue quasi entdeckt hat, wird sich immer ähnlicher.

„Schmidt-Rottluff – Form, Farbe, Ausdruck“. Die Form sei auf das Wesentliche vereinfacht. Die Farbe sei glühend, der Ausdruck leidenschaftlich, verhalten leidenschaftlich. Andere meinen, die Form habe sich vom Abbild-haften ins Abstrakte zurückgezogen. Zurückgezogen würde sie nicht sagen, meint eine Kundige, es sei kein Rückzug, sondern ein Aufbruch. Und die Farben ordnen sich dem Komplementären Rot-Grün unter. Unterordnen würde er nicht sagen, sagt einer, es sei keine Unterordnung sondern eine Befreiung. Drum sei der Ausdruck ekstatisch.

Die Farben bei Schmidt-Rottluff „rauschen“.

Der Sonnenuntergang draußen am glühenden See ist ekstatisch.

Der Wein ist gut, die Häppchen lecker. Die Leute verlaufen sich.

 

 

 

 

 

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